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Fußball-Freunde?

Fußball ist ein Teamsport, aber macht einen der Sport auch zu Freunden? Wir haben mit Libero Alex Raack, 32, vom Magazin "11 Freunde" gesprochen.

Lass uns über Freundschaft im Fußball sprechen. Hast du eine Bolzplatzfreundschaft und was macht sie aus?

Klar, mein allerbester, ältester Kumpel, den habe ich auf dem Fußballplatz kennengelernt. Ich habe aber einen ganzen Haufen von Bekannten, die ich über den Fußball kennengelernt habe. Fußball ist als Mannschaftssport dafür gemacht, Freundschaften aufzubauen. Das klingt vielleicht etwas hochtrabend, aber man muss sich aufeinander verlassen können. Man macht gute und schlechte Zeiten durch, Niederlagen und Siege. Und man hat vor allem viele tolle Momente zusammen.

Euer Magazin heißt "11 Freunde". Warum habt ihr gerade diesen Titel gewählt?

Der Name klingt natürlich schön und es gibt ein Buch von Sammy Drechsel, ein legendäres Kinder-Fußballbuch von 1955, das hieß "Elf Freunde müsst ihr sein". Dadurch ist dieses "Elf Freunde müsst ihr sein" schon immer ein wichtiger Fußballspruch gewesen und der Ursprung für den Magazintitel.

Müsste es nicht eigentlich 12 Freunde heißen? Warum zählt der Trainer nicht dazu?

Wenn dann – ich weiß nicht, wie groß inzwischen so ein Profi-Kader ist – müsste es 23, 24 oder 26 Freunde heißen. Oder zumindest 14 Freunde, weil du ja immer noch drei Ersatzspieler hast. Am Ende geht es ja aber um die Elf, die auf dem Platz stehen. Das Wort "Freunde" ist, wenn es um Leistungssport geht, aber eigentlich fehl am Platze. In dem Fall sind es wahrscheinlich eher elf Kollegen. Der Trainer spielt beim Fußball natürlich auch eine wichtige Rolle, aber der definiert sich ja per se überhaupt nicht als Buddy oder Freund. Er ist ja schon immer Respektsperson oder Autoritätsperson und derjenige, der die klaren Ansagen macht.

Berti Vogts sagte als Bundestrainer anlässlich der Europameisterschaft (EM) 1996: "Der Star ist die Mannschaft!" Stimmte dieser Satz damals?

Damals ja, weil sich '96 zig Leute der deutschen Nationalmannschaft im Vorfeld verletzt haben und während des Turniers auch noch welche. Das war so ähnlich, wie beim Handballsieg der Deutschen im Januar. Am Ende stand da eine Mannschaft, die zur Hälfte aus No Names bestand. Die dann aber zeigt, was eine Mannschaftssport ausmacht. Dass du nämlich nicht elf Superstars da stehen haben musst, sondern ein Team, das funktioniert und das auch die besiegen kann, die prominenter besetzt sind.

Und wie sieht es heute aus: Gibt es bestimmte Erfolgsmannschaften, die vor allem vom Teamgeist und weniger vom Können einzelner Stars leben?

An der Spitze der englischen Premier League steht momentan Leicester City. Leicester hat so ein paar Spieler dabei, die man selbst, wenn man sich für Fußball interessiert, nicht unbedingt kennt. Die sind eigentlich nicht dafür gemacht, an der Spitze der teuersten Liga der Welt zu stehen. Diese Mannschaft kommt dem Spruch von Berti Vogts auf jeden Fall nahe.

Du hast vorhin gesagt, dass die Profifußballer eigentliche eher Kollegen als Freunde sind. Gibt es trotzdem auch berühmte Fußballerfreundschaften?

Ja, da fällt mir die Freundschaft zwischen Uwe Seeler und Klaus Stürmer (der ist leider schon tot) ein. Die haben zusammen in der Jugend gespielt, Bockwurst gegessen, sind zusammen Profis und dann Nationalspieler geworden. Die beiden waren Best Buddies. Das ist die erste historische Freundschaft, an die ich mich erinnern kann. Aus der jüngeren Vergangenheit fällt mir auf Anhieb gar niemand ein, höchstens Thomas Hitzelsperger und  Moritz Volz. Ich habe schon mit vielen Fußballern gesprochen, aber viele sagen, dass so enge Freundschaften im Fußball ziemlich schwierig sind, gerade während der Karriere.

Woran liegt das, dass sie sich während der Karriere so schlecht befreunden können?

Na ja, das ist ein bisschen paradox: Du willst zusammen was als Mannschaft erreichen, gleichzeitig sind aber alle, die auf deiner Position sind, auch Konkurrenten. Siehe zum Beispiel die Torhüter Kahn und Lehmann. Das sind bestimmt Typen, die sich von der Art her, wenn sie sich im Alltag getroffen hätten, bestimmt gut verstanden hätten. Aber die waren in dem Moment, als es um den Platz in der Nationalmannschaft ging, Konkurrenten. Natürlich wollten beide spielen, auf der Bank will keiner sitzen. Da ging es um Ruhm und Ehre, aber vor allem auch um Kohle.

Sprechen wir über die Fans. Warum ist es eigentlich so wichtig, welchen Fußballclub man mag?

Mir ist das ehrlich gesagt egal, aber man kann so natürlich ein gewisses Gemeinschaftsgefühl vermitteln. Stell dir vor, du bist als Norddeutscher in Süddeutschland unterwegs und triffst jemanden, der auch Werder Bremen Fan ist. Da hat man direkt eine Verbindung. Andersrum kann man den anderen ein bisschen foppen: "Du bist Bayern-Fan? Das geht ja gar nicht..." Ich weiß, da gibt es andere, die würden das Thema nicht so auf die leichte Schulter nehmen. Mein Kollege kommt aus dem Ruhrgebiet und ist Schalke-Fan. Dortmund-Fans gehen für ihn einfach nicht. Da kriegt er gleich so einen angeekelten Gesichtsausdruck, wie wenn ihm jemand sagen würde, der Fan hätte gestern seine Kinder geschlagen.

Im Fußball gibt es Freundschaften zwischen Fanclubs, etwa zwischen den Fans von FC Schalke und des 1. FC Nürnberg. Wie kann das sein?

Das ist meistens, wie bei Männerfreundschaften häufiger, eine Folge des Alkohols. Da gibt's die Vorgeschichte, dass irgendwann mal eine Gruppe von Schalkern irgendwo am Arsch der Heide einen trinken war, dann kamen ein paar Nürnberger hinzu, plötzlich waren sie gute Kumpels und dann ist daraus eine Fanfreundschaft entstanden. Wie auch sonst? Es gibt ja kein offizielles Meet & Greet oder so. Aber diese Freundschaften werden liebevoll gepflegt. Ich war mal mit Bremen in Basel Fußball gucken und im Baseler Fanblock wurden dann Banner von Eintracht Braunschweig hochgehalten, weil die eine Fanfreundschaft haben.

Wo hört Freundschaft im Fußball auf?

Den Satz beantworten Fußballer immer mit "Wenn der Schiedsrichter anpfeift" oder "Wenn das Spiel losgeht". Dann werden selbst aus Kumpels Gegner. Da ist es dann egal, ob man zusammen in den Urlaub fährt. Da will jeder nur noch das Spiel gewinnen. Und ich glaube, dass es so auf jedem Spielplatz zugeht. Ich spiele in zwei Wochen gegen einen Kollegen von mir und auch, wenn ich ihn sympathisch finde, habe ich Bock, ihm auf dem Spielfeld mal die Knochen zu polieren. Ist ja klar.

Über Alex:

Alex Raack, 32, kennt sich gut aus mit Fußball. Er arbeitet als Redakteur beim Fußball-Magazin "11 Freunde", hat ein Buch über Fußball-Floskeln geschrieben ("Den muss er machen") und spielt selbst seit er klein ist. Gerade hat er sich einen neuen Verein in Berlin gesucht, Lieblingsposition: Libero.

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