#fakeit
#fakeit

Aufruf zum Fake

Erst kürzlich stand ein Kanadier am Pranger, weil Foto-Faker ihm kurz nach den Attentaten in Paris Sprengstoffweste und Koran anmontiert hatten. Florians kleine Fälscher-Kunde.

So manipuliert man Fotos

Ich will dir hier keine Tricks zeigen, mit denen du manipulierte Fotos schneller erkennst, denn über schlechte Fälschungen wirst du eh ganz von alleine stolpern. Und richtig gute Fake-Bilder wirst du mit bloßem Auge nicht als solche entlarven können, das geht nur mit richtig teurer Software und dazu noch viel Erfahrung.

Nein, ich will dir zeigen, wie vielfältig man Fotos manipulieren kann. Und ich will dich dazu auffordern, das auch selbst zu tun. Denn Fotos bearbeiten macht echt Spaß. Und wenn es dir gelingt, ein witziges Bild zu kreieren, kannst du es vielleicht bald überall im Internet sehen. Aber dazu später mehr.

Kommen wir zunächst zu den verschiedenen Möglichkeiten, Fotos zu manipulieren. Du wirst sehen, man braucht dafür noch nicht mal ein richtiges Bearbeitungsprogramm.

Die Position

Allein schon dadurch, aus welcher Position du fotografierst, kann die Wirkung eines Bildes völlig verändern. Erinnerst du dich noch an die Fotos von den Politikern, die nach dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar 2015 auf die Straßen gegangen sind? Die ersten Fotos, die davon veröffentlicht wurden, haben sich genau das zu nutze gemacht (siehe oben). Dadurch, dass die Politiker vorne die Sicht nach hinten ziemlich gut verdecken, sieht es aus, als würden sie ganz viele Leute durch die Stadt führen. Tatsächlich aber sind sie ziemlich weit vor den anderen Leuten gegangen. 

Es gibt auch noch die Möglichkeit, nur einen Ausschnitt eines Bildes zu nutzen. Das lässt sich ganz gut an mit dem Foto hinter diesem Link zeigen: Wenn man nur den linken Teil des Bildes nimmt, hat es eine ganz andere Wirkung als der rechte Teil.

Die Geschichte von Foto-Fakes

Aber Bilder zu manipulieren, zu fälschen und zurecht zu biegen, ist nichts, was es erst seit ein paar Jahren gibt. Im Gegenteil: Seit man Fotos machen kann, kann man auch Fotos faken. Damals war es halt noch viel mehr Aufwand, ein Foto zu bearbeiten.

Das musst du dir so vorstellen, dass der Fotograf erstmal die Fotos gemacht hat und die dann ganz Oldschool in der Dunkelkammer entwickelt. Jetzt hat er ein Foto daliegen und merkt, dass irgendetwas nicht passt. Vielleicht ist im Hintergrund jemand zu sehen, der nicht da sein soll …

Was soll er jetzt machen? Bei einem Porträt wäre es ja nicht schwierig, da kann er die Person einfach nochmal fotografieren. Aber unser Foto ist eine Momentaufnahme – sagen wir mal ein General hält vor der Schlacht eine Ansprache. Das lässt sich ja nicht wirklich nachstellen. Darum muss sich der Fotograf jetzt hinsetzen und das Bild nachbauen. Entweder er schneidet die falsche Stelle aus und ersetzt sie durch Füllmaterial aus einem zweiten Abzug des Bildes.

Die andere Möglichkeit wäre es, die Stelle mit feinen Pinseln zu übermalen. Das können aber nur die wenigsten Fotografen. Richtig aufwendig wird es, wenn er anfängt, manche Teile des Bildes mit Ausschnitten aus anderen Bildern zu ersetzen.

Auf dem Foto rechts sieht man den amerikanischen General Ulysses S. Grant nach dem Sieg über das feindliche Heer im Amerikanischen Bürgerkrieg. An dem Foto ist allerdings fast gar nichts echt. Der Kopf wurde einfach nur auf den Körper eines anderen Generals gesetzt.

Der Hintergrund stammt aus einem komplett anderen Foto und nicht einmal das Pferd ist auf dem Originalfoto drauf. Es wurde nämlich aus Teilen von drei anderen Fotos zusammengesetzt. Hier findest du noch ein paar andere Fotofälschungen aus einer Zeit, in der man noch nicht einmal von Photoshop und Co träumen konnte.

Software macht vieles möglich

Die modernen Bildbearbeitungsprogramme bieten natürlich noch viel mehr Möglichkeiten: Du kannst Bildausschnitte komplett verändern, mit den Farben spielen und noch so viel mehr machen, um Fotos zu ändern und zu verfälschen. Hier findest du mal ein paar Möglichkeiten, die auch immer wieder in den Medien zu finden sind.

Natürlich ist es auch eine Art von Fake, wenn man ein Bild mit einer völlig falschen Bildunterschrift veröffentlicht. Wir als Leser kennen ja den Hintergrund des Fotos nicht… wir wissen nicht, wann und wo das Bild gemacht worden ist. Darum ist das auch eine Form von Betrug.

Das Bild links habe ich in Israel gemacht. Die schwarze Rauchwolke stammt von einer Bombe, die ein palästinensischer Attentäter in einer kleinen Stadt gezündet hat. Klingt ziemlich glaubhaft – weil wir glauben wollen, dass es stimmt. Wir wollen den Medien vertrauen.

Aber wir können uns eben nicht immer darauf verlassen, dass man uns die Wahrheit sagt. Das Foto ist zwar wirklich in Israel entstanden, aber die Rauchwolke stammt von Bauern, die Abfälle verbrennen.

Und wie versprochen, ist es jetzt Zeit für dich, aktiv zu werden. Ich lade dich nämlich ein, ein bisschen mit Fotos zu spielen und dein Ergebnis hier zu posten. Wichtig ist, dass du das Ursprungsbild selber gemacht hast oder die Erlaubnis der Person hast, die das Foto gemacht hat. Wäre natürlich gut, wenn es möglichst lustig wäre. Ein paar Anregungen findest du hier.

 

#fakeit - Was ist bei dir Fake? Reich dein Foto oder deinen Link ein und gewinne eine riesige Badeinsel. Mit insgesamt vier Personen könnt ihr euch auf dem Baggersee vorstellen, ihr würdet auf den Antillen chillen.

 

© Foto Header: European External Action Service, Foto 2 Text: Privat.