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Echtsein macht angreifbar

Schauspielerin Jessica Ginkel ist zurzeit in der Serie "Der Lehrer" zu sehen. Gustav hat sie erzählt, wie sie sich auf und neben der Bühne selbst inszenieren muss.

Ein Schauspieler hat die Aufgabe, jemand anderen als sich selbst darzustellen. Wie findest du dich in Rollen hinein?

Ich lese mir das Buch mehrfach aufmerksam durch. Die Autoren haben sich ja schon viel dabei gedacht, wenn sie die Figuren erfinden. Ich stelle Fragen an meine neue Rolle, wie zum Beispiel: "Woher kommt sie, wohin möchte sie?", und versuche, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen mir und der Figur herauszufinden – und ihr so immer mehr auf den Grund zu kommen. Nehmen wir zum Beispiel die Figur Frau Noske, die ich gerade in "Der Lehrer" spiele. Wir sind beide planende Menschen, wir gehen strukturiert ans Leben ran. Außerdem ist sie das, was ich eigentlich mal werden wollte: Lehrerin. Bei der Arbeit an ihrem Rollenprofil hatten natürlich auch der Regisseur und die Produzenten ein Wort mitzureden. Zusätzlich hole ich mir bei einigen Rollen Hilfe von meinem fantastischen Schauspielcoach.

Der Regisseur hat oft das letzte Wort. Wie sieht die perfekte Zusammenarbeit aus?

Ein guter Regisseur kann dich gut einschätzen und weiß, welche Knöpfe er drücken muss. Beim "Lehrer" haben wir uns vorher getroffen und besprochen, wie Frau Noske tickt. Für mich war es wichtig, zu erfahren, wie mein Gegenüber die Figur sieht, ob sich das mit meinen Vorstellungen deckt und wie wir die Rolle vielschichtiger gestalten können.

Veränderst du deine Rollen – oder verändern sie dich?

Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Rollen mich groß verändern, zumindest nicht bewusst. Natürlich setze ich mich aber immer wieder mit den Figuren und mir selbst auseinander. Da entstehen Fragen wie: "Bin ich zufrieden?", oder: "Wie würde ich mich verhalten?" Doch ich kann auch schnell wieder Abstand gewinnen.

Wie groß ist die Versuchung, dein schauspielerisches Talent im Alltag einzusetzen, um deine Ziele zu erreichen?

Das würde ich gern, aber ich kann das nicht. Vor der Kamera ist das kein Problem, aber privat habe ich unglaublich viel Schiss davor, dass ich auffliege! Privat bin ich bestimmt eine schlechte Schauspielerin! Machst du sowas etwa?

Na klar, ich studiere ja Lehramt! Wenn ich vor einer Klasse stehe, muss ich streng bleiben, selbst in Situationen, über die ich privat lache.

Ein bisschen verstellen wir uns ja alle im Alltag. Wenn jemand dich fragt, wie es dir geht, sagst du: "Gut!", auch wenn du dich total blöd fühlst.

Seit einigen Tagen läuft die neue Staffel von "Der Lehrer" bei RTL. Seit dem ersten Tag hat es aus verschiedenen Richtungen Rückmeldungen gegeben. Wer beurteilt die Leistung des Schauspielers am besten?

Ich hatte da eine komische Situation am Tag nach der Ausstrahlung der ersten Folge: Gegen 9 Uhr sollten die ersten Quoten bekanntgegeben werden. Die sind für uns ja nicht unwichtig. Ich habe mir vorgenommen, nichts darauf zu geben. Ich habe mich gut gefühlt bei der Arbeit und glaube, dass ich viele Dinge so hingekriegt habe, wie ich wollte, und dass das ganze Team tolle Arbeit geleistet hat. Dann habe ich die Quoten gesehen und war doch enttäuscht. Die haben meinen Erwartungen überhaupt nicht entsprochen! Hinterher habe ich zum Glück gemerkt, dass ich die falschen Zahlen gesehen habe: Es gibt die Quoten des gesamten Publikums und des Zielpublikums, also den jüngeren Zuschauern. Die waren bestens. Ich habe dabei aber gemerkt, dass es mir schon wichtig ist, auch ein Feedback vom Publikum zu bekommen! Für das Publikum machen wir es ja schließlich. Die Mischung aus allen macht's, sprich meine eigene Wahrnehmung, die von Kollegen, Freunden und dem Publikum.

Am Film-Set herrscht ein harter Konkurrenzkampf, vor allem unter dem Schauspieler-Nachwuchs. Spielst du in diesem Umfeld – vor dem Regisseur, den Kollegen, Produzenten – auch nur eine Rolle?

Nein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich am besten fahre, wenn ich authentisch und mir selbst treu bin. Das macht mich natürlich auch angreifbar: Wenn ich Schwächen zugebe, kann es sein, dass das falsch interpretiert oder sogar ausgenutzt wird.

Kann man Schauspielern, den Profis in der Selbstinszenierung, überhaupt jemals wirklich trauen?

Also mir kannst du trauen! Egal ob Schauspieler oder nicht, es gibt immer Menschen denen man trauen kann.

Wie muss sich ein Schauspieler heutzutage im Netz inszenieren, wenn er erfolgreich sein will?

Ich wurde vor einiger Zeit von einem Freund angestupst. Er hat gesagt: "Jessi, du musst jetzt zu Facebook, du musst dich da mal aufstellen." Bis dahin hatte ich nur eine einfache Website mit einem Gästebuch! Ich bin niemand, der wahnsinnig viel postet. Durch die sozialen Netzwerke kann ich viele Menschen erreichen, besonders junge, und ihnen einen kleinen Einblick in meine Arbeit und mein Leben geben. Mit dem Privaten bin ich eher zurückhaltend. Zwar geht schon mal ein Bild online, wenn ich mit Freundinnen unterwegs bin, aber die meisten Bilder zeigen eher: Jessi am Set, Jessi mit Kollegen ... Ich habe neulich gehört, dass Katy Perry fast 72 Millionen Likes bei Facebook hat – was für eine Reichweite, Wahnsinn! Mich liken immerhin fast 82.000. Mich würde aber mal interessieren, ob sich Teenager und junge Erwachsene von heute, die mit dem Internet aufgewachsen sind, überhaupt noch von den sozialen Medien abgrenzen können – oder gehören die einfach dazu? Wie gesagt, ich bin dort ja auch vertreten. Aber ich bin auch froh, offline groß geworden zu sein.

Über Jessica Ginkel:

Jessica Ginkel (geboren 1980) gab ihr Bildschirm-Debut im Jahr 2006 in der RTL-Soap "Gute Zeiten – Schlechte Zeiten", wo sie insgesamt drei Jahre mitwirkte. Schon währenddessen und auch danach war Ginkel in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen, unter anderem in der ZDF-Krimiserie "Heldt". Momentan spielt sie die Rolle der Frau Noske in der RTL-Sitcom "Der Lehrer".

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