#fakeit
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To fake or not to fake

Vertrauen ist gut, Misstrauen ist besser – Coline erinnert sich an virale Fakes, die für Furore gesorgt haben.

Forrest Gump hat es überdeutlich gemacht: Man kann sich nicht alleine auf das verlassen kann, was man auf einem Bildschirm sieht. Denn natürlich war es nicht Forrest, der Elvis Presley zum Hüftschwung inspiriert und oder in Apple investiert hat – die entsprechenden Sequenzen, die wie historische Dokumente anmuteten, waren gut gemachte Montagen.

Als Forrest Gump im Jahr 1994 auf den Leinwänden erschien, führte das Internet quasi noch ein Schattendasein. Doch das sollte sich in den folgenden Jahren bekanntermaßen mit ungeahnter Wucht ändern. Und mit der Ausbreitung der Anschlüsse wurden auch Fakes zum Massenphänomen, denn im Netz können sich manipulierte Bilder und Videos so leicht verbreiten, wie Grippe-Viren in einer U-Bahn – darum auch der Ausdruck "virale Fakes".

Bei manchen dieser im Netz kursierenden Fakes benötigt es keinen zweiten Blick, um zu merken, dass es sich wohl kaum um Tatsachen handeln kann. Unterhaltsam können sie natürlich trotzdem sein. Andere Fakes sind aber so täuschend echt, dass sie sogar ernste und reale Konsequenzen nach sich ziehen können. Hier habe ich einige vergangene Beispiele für euch gesammelt.

Theas großer Tag

Worum geht es?

Theas Bryllup ist der Blog der 12-jährigen Thea aus Norwegen. Es geht darauf um die Vorbereitungen ihrer kurz bevorstehenden Hochzeit mit Geir, der 37 Jahre alt ist und von Theas Eltern als ihr Zukünftiger ausgesucht wurde. In ihren Beiträgen äußert das Mädchen Zweifel bezüglich der Hochzeit.

Wer steckt dahinter?

Das Kinderhilfswerk Plan (Norwegen) hat diesen Blog ins Leben gerufen und als real erscheinen lassen, um gegen die Zwangsverheiratung von Kindern zu kämpfen. Laut Schätzungen des Kinderhilfswerkes UNICEF werden weltweit im Zeitraum 2011 bis 2020 140 Millionen Mädchen zwangsverheiratet werden – das sind 39.000 jeden Tag.  Oftmals müssen sie dafür die Schule verlassen und enden dann in gewaltsamen Beziehungen.

Und danach?

Der Fall von Thea mobilisierte Menschen auf der ganzen Welt. Die Hashtags #stoppbrylluppet und #stopthewedding gingen durch die sozialen Medien. Am 11. Oktober 2014, dem UN-Weltmädchentag, wurde die Hochzeit "gestoppt" und der Hintergrund aufgelöst.

Varoufakis´ Stinkefinger

Worum geht es?

Griechenland steckt in einer wirtschaftlichen Krise, die für viel Aufsehen sorgte. In der ARD- Talkshow von Günther Jauch war am 15. März 2015 der damalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis über Video zugeschaltet. In einem Einspieler wurde Varoufakis gezeigt, wie er im Jahr 2013 auf einer Konferenz im kroatischen Zagreb sagt, Griechenland hätte Deutschland im Zuge der Eurokrise bereits 2010 den Stinkefinger zeigen sollen. Diesen hält Varoufakis dann zur Verdeutlichung seiner Worte auch noch hoch.

Varoufakis reagierte schon in der Sendung auf den Einspieler, indem er die Echtheit des Videos leugnete. Während der Sendung konnte diese Frage nicht geklärt werden. Hinterher wurde indes schnell klar, dass der Einspieler in jedem Fall aus dem Zusammenhang gerissen worden war, weil es sich bei ihm um einen Ausschnitt aus einem viel längeren Video handelte, dass außerdem zu einer Zeit entstand, in der Varoufakis noch nicht Finanzminister war.

Auch der Kameramann des Films äußerte sich bald nach der Sendung und behauptete, der Stinkefinger sei echt. Daraufhin warf die Bild-Zeitung Varoufakis vor, ein Lügner zu sein. Dieser wiederum untermauerte seine Behauptung, es habe sich um ein manipuliertes Video gehandelt, mit einem Verweis auf das Original-Video in voller Länge. Auch dort zeigt er allerdings den Finger.

Wer steckt dahinter?

Die Affäre erhielt ihre letzte Wendung dann durch Jan Böhmermann und seine Sendung Neo Magazin Royale. In dieser wurde am 18. März gezeigt, wie man das fragliche Video angeblich manipuliert hatte. Seitdem ist noch unklarer, ob es sich nun um einen Fake handelt oder einen gefakten Fake. Varoufakis jedenfalls nahm Böhmermanns Aktion zum Anlass, diesem zu gratulieren und von Günther Jauch eine Entschuldigung zu fordern.

Jan Böhmermann hat schon früher für einen gelungenen viralen Fake gesorgt, indem man der Redaktion von Stefan Raabs Show TV Total weisgemacht hatte, dass das chinesische Fernsehen sein Spiel "Blamieren oder Kassieren" ohne Nachfrage kopiert hätte. Tatsächlich war das Video der angeblichen chinesischen Plagiatsshow "Blamielen oder Kassielen" unter der Führung von Jan Böhmermann produziert und auf YouTube gestellt worden. Dieser Fauxpas der Redakteure von TV Total sorgte für Lacher, hatte aber natürlich nicht die Tragweite des Stinkefinger-Falls.

Und danach?

Unter dem Hashtag #Varoufake wurde darüber diskutiert, ob das Stinkefinger-Video nun von Böhmermann manipuliert wurde oder nicht. Böhmermanns öffentliche Stellungnahmen zu dem Thema waren ironisch. Eindeutig war nur seine Kritik an Günther Jauch und der übrigen Redaktion der Talkshow: Diesen warf Böhmermann vor, den Ausschnitt mit dem Stinkefinger bewusst aus dem Zusammenhang gerissen zu haben, um populistisch Stimmung  zu machen.

Erster Kuss vor dem Kennenlernen

Worum geht es?

Für einen Kurzfilm der georgischen Regisseurin Tatia Pilieva sollten sich Menschen küssen, die sich zum allerersten Mal gegenübertreten. Ausgestrahlt wurde der Kurzfilm zum ersten Mal am 10. März 2014. Unbeholfen, befangen, aufgeregt und alle wunderschön anzusehen waren die Personen in dem Schwarz-Weiß-Clip. Er sorgte für große romantische Stimmung in den sozialen Netzwerken.

Wer steckt dahinter?

Kein Kunstprojekt, wie sich im Nachhinein herausstellte. Die Regisseurin inszenierte dieses Video für das Modelabel Wren. Die Menschen, die sich dort angeblich zum ersten Mal gegenüberstanden und küssten, waren gecastete Models und trugen die Mode der Marke.

Und danach?

Nach den großen romantischen Online-Bewegungen erschienen unzählige Trittbrettfahrer. Von einer Nachstellung mit Darstellern ohne Modelmaße und –aussehen bis hin zu unzähligen Parodien.

Virale Angst

Worum geht es?

Terroranschläge und Flüchtlingskrise sind hier die Schlagworte, die dafür sorgen, dass Fakes viral gehen können. Diese Art von Falschmeldungen ist derzeit verbreiteter denn je. So kursierte zum Beispiel eine Montage von einem Mädchen, das Opfer und Zeugin verschiedener Terroranschläge gewesen sein sollte – beim Boston Marathon, in der Grundschule Sandy Hook in Newton, Connecticut, im Kino in Aurora (wobei die Orte je nach Montage beliebig ausgetauscht werden können). Auch wenn die Terrorgefahr für manchen allgegenwärtig scheint, in einem Land wie den USA ist die Chance gleich Null, bei einem einzigen Terroranschlag anwesend zu sein. Es ist also unvorstellbarer, Zeugin von drei Attentaten zu werden.
Aus diesem Grund sorgte das Bild der jungen Frau dafür, dass Verschwörungstheoretiker von Lügenpresse sprachen. Ihr Vorwurf war, dass die Medien das Mädchen in die Szenerien montiert hätten. Manche glauben auch, dass es sich komplett um Inszenierungen gehandelt habe und es gar keine tatsächlichen Anschläge gab.
Eine weitere Theorie sieht die Frau als "Crisis Actor", als eine von der Regierung engagierte Darstellerin, die bei Katastrophen für zusätzlichen Aufruhr sorgen sollen.

Wer steckt dahinter?

Wie so oft bei negativen Äußerungen im Internet lassen sich die Urheber auch hier nicht erkennen.

Und danach?

Auch nach den Anschlägen von Paris am 13. November 2015 taucht ein Meme auf, das das besagte Mädchen auch dort zeigen soll, woraufhin in den sozialen Netzwerken erneut Verschwörungstheorien gegen Medien und Regierungen die Runde machten. Zwar wurde die dargestellte Frau bis heute nicht identifiziert. Die Verschwörungstheorien können aber auch so entkräftet werden, denn bei genauem Hinsehen fällt auf, dass es sich um vier verschiedene Brünette handelt.

Die Natur und andere Katastrophen

Worum geht es?

Die Natur hält ohnehin schon viele spektakuläre Bilder bereit. Doch mit Photoshop wird alles noch ein bisschen spektakulärer. So konnte man im Februar 2014 sehen, wie die Kanäle von Venedig eingefroren sind. Der Tsunami, der am 26. Dezember 2004 über Thailand und andere asiatische Länder hereinbrach, steht im Januar 2005 vor den Stränden Antofagasta in Chile. Und bei jeder Flut taucht auf einmal ein Bild von einem Hai im Hochwasser auf.

Wer steckt dahinter?

Das Eis in Venedig stammt vom Baikalsee. Eine ganze Serie dieser eisigen Venedig-Bilder stellte der Künstler Robert Jahns in seinem Instagram-Account online. Wie der asiatische Tsunami nach Chile kam, ist unklar. Ebenso, woher die ganzen Haie auftauchen.

Und danach?

Ob die Urheberschaft der Fake-Bilder geklärt ist oder nicht, sie machen in den meisten Fällen Eindruck. Im besten Fall sorgen sie dafür, dass man die Welt um sich herum mit aufmerksameren Augen betrachtet.

Mein Fazit zu viralen Fakes? – Skepsis ist im Netz immer am Platze! Jeder Film und jedes Foto könnte ein gut gemachter Fake sein!

#fakeit - Was ist bei dir Fake? Reich dein Foto oder deinen Link ein und gewinne eine riesige Badeinsel. Mit insgesamt vier Personen könnt ihr euch auf dem Baggersee vorstellen, ihr würdet auf den Antillen chillen.

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