#getalife
#getalife

Eine Sekunde jeden Tag

Holm hat sie ausgetrickst! Was er von der App "1 Second every day" gelernt hat.

Samstag, 5. Dezember

Ich lade 1 Second Everyday herunter. Die App erklärt mir zunächst einmal, wie sie funktioniert. Soweit so gut, das hatte ich mir schon in einem Video angesehen. Ich sehe, dass ich auch Fotos einfügen könnte, statt Videos. Ich mache jeden Tag ungefähr fünf Fotos, vielleicht wäre das besser? Möglicherweise geht ja beides.

Sonntag, 6. Dezember

So langsam sollte ich mal ein Video drehen. Heute wird es bestimmt was. Aber was soll ich drehen? Ich sitze im Home-Office, schreibe an ein paar Texten, mache nix besonderes. Am Ende habe ich gar nichts gedreht.

Montag, 7. Dezember

Ehe ich wieder nichts mache, habe ich mich beim Schokoladennikolausessen gefilmt. Schon nicht so einfach, wenn nichts passiert.

Dienstag, 8. Dezember

Ich war im Kino, hab Victoria geschaut. Und was hab ich vergessen? – Ein Video zu drehen … Vielleicht hätte ich doch den Reminder der App einschalten sollen. Aber es ist ja erlaubt, Fotos reinzunehmen, da hab ich eins für meinen Mitbewohner gemacht, auf dem ich nachts vor seiner Arbeitsstelle stehe. Dann halt das. Erinnert mich auch an diesen Tag.

Montag, 14. Dezember

Ich habe jeden Tag außer am Mittwoch Videos gedreht. Außerdem wollte ich schlau sein und hab gleich ein paar mehr gedreht, wenn etwas passiert ist. Leider erlaubt die App nur Videos und Fotos für einen Tag zu benutzen, die auch wirklich an diesem Tag aufgenommen wurden. Da ist es egal, dass ich am Samstag sowohl Spieltag hatte, als auch bei einen Gospel-Konzert war. Beides darf ich nicht verwenden. Bin zornig. Aber immerhin kann ich nachträglich an den anderen Tagen Bilder reinnehmen, die ich bei Whatsapp verschickt habe. Wirkt wie ein Instagram das keiner sieht. Mal sehen, wie es beim Erinnern hilft.

Mittwoch, 16. Dezember

Habe die dämliche App betrogen! Einfach eins meiner Doppeltage-Videos durch das Videoschnittprogramm vom Telefon geschickt und voila: Es hat ein neues Datum! Holm: 1 – App: 0!

Montag, 21. Dezember

So ein Blödsinn! Um meinen Hack vom Mittwoch zu benutzen, muss ich am Tag, an dem ich eintragen will, auch das Datum ändern. Schön, dass ich gestern mit den Großeltern auf dem Weihnachtsmarkt war und wir davor Geschenke verteilt haben. Aber weiß ja keiner, dass sie nur einen Tag da waren …

Mittwoch, 22. Dezember

Mich nervt diese App wirklich. Tolles Feature: Ich kann einstellen, dass sie mich jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit daran erinnert, dass ich noch ein Video drehen muss. Bin ich ein Sklave?

Samstag, 26. Dezember

Ich habe beschlossen, einfach jederzeit und immer Videos zu drehen und erst am Ende alles in die App zu packen. Das Programm rechnet nämlich ziemlich lange und es dauert, Videos reinzunehmen.

Montag, 28. Dezember

Ein Problem ist die eine Sekunde Video, die der App ihren Namen gibt. Zwar kann ich den Zeitraum auf 1,5 Sekunden ausdehnen, dennoch ist das ein ziemlich sinnloser Zeitrahmen. Probiert mal aus, ein Video mit einer Sekunde zu bekommen, das vorzeigbar ist. Die App ist auch kein Videoschnittprogramm, also muss ich sozusagen "erfühlen", wann genau die richtige Sekunde ist.

Montag, 1 Januar

Stichtag! Heute soll mir 1 Second Everyday endlich mein lang ersehntes Video bauen. Da ich, wie gesagt, faul war, muss ich erst noch für jeden einzelnen Tag im Dezember, an dem ich bisher nichts eingefügt habe, ein Video oder Foto vergeben. Dank meiner vielen Fotos ist das gar nicht so schwer. Am Ende sind nur ganz wenige Tage ohne Bebilderung. Das Ganze dauert aber nun natürlich ewig und die App stellt einige Bilder sinnloserweise auf den Kopf. Eine Möglichkeit sie zu drehen, gibt es innerhalb des Programms leider nicht. 

Zehn Minuten später ist alles eingestellt und ich lege manuell den Zeitraum fest, von dem ich das großartige Video will. 1 Second Everyday bleibt sich treu und lässt sich eine Menge Zeit. 15 Minuten dauert es, bis das Video fertig ist. Ich bin ganz aufgeregt! Endlich ist es soweit, ich suche das Video und starte es … Und bin ernüchtert. Alles, was die App tut, ist, jedes Video und jedes Bild in einem eine Sekunde langen Intervall hintereinander zu schneiden – keine Musik, keine Übergänge, nichts. Das Ergebnis sieht langweilig aus, selbst wenn viele Videos hintereinander kommen. Dafür die ganze Arbeit? Das sieht aber nicht wie in dem Werbefilm für die App aus!

Fazit

Der einzige Sinn der App ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Erinnerungen in Form von Fotos oder Videos schön sind. Ich drehe jetzt häufiger einfach mal so kurze Videos. Vielleicht pflege ich auch mal meinen Instagram-Account oder suche nach einer Fotoalbum-App. Ansonsten ist 1 Second Everyday Quatsch.

Stattdessen ladet Ihr Euch besser eine Videoschnittsoftware fürs Smartphone herunter. Adobe Premiere ist neu für Android verfügbar: Musik auswählen, Videos auswählen, die App macht den Rest. Manuell nachjustieren kann man auch. Und alle ganz Harten können sich auch per Kalender-App eine Erinnerung jeden Tag einrichten, um ihr Video nicht zu vergessen. Und das Allerbeste: Die Videos sind nicht auf eine Sekunde limitiert!

#getalife  - Was ist dein Lebensretter? Reich dein Foto oder deinen Link ein und gewinne für dich und fünf Freunde den Eintritt in einen Freizeitpark. Das Gruppenticket für eure Bahnfahrt gibt es obendrauf.

© Fotos Header: Privat – bearbeitet durch Minax Intermedia GmbH & Co. KG.