#selfidentity
#selfidentity

Selfie im Museum?

Können Selfies Kunst sein? Einige Ausstellungen sprechen dafür: #museumselfie

Selfies im Sekundentakt

Ein Selfie, das in Sekundenschnelle aufgenommen und ebenso schnell wieder gelöscht oder modifiziert werden kann, wirkt profan und wenig künstlerisch. Alain Bieber, Leiter des NRW-Forums in Düsseldorf und jüngster Museumsdirektor der Stadt, sieht das anders. Er findet: Selfies sind Kunst und sie sind es wert, auch abseits sozialer Medien Beachtung zu finden. In der ersten Ausstellung unter seiner Leitung – "Ego Update, Die Zukunft der digitalen Identität" – hat er bis Januar 2016 23 nationalen und internationalen Künstlern Raum gegeben, sich mit moderner Selbstinszenierung auseinanderzusetzen. Das ist mal lustig und mal ernst, mal Pop- und mal Hochkultur.

Die Ausstellung hat dabei nicht nur Arbeiten präsentiert, sondern auch zur Interkation aufgerufen – beispielsweise konnte man Selfies mit einer metallenen Büste von MC Fitti machen. Dabei vermochte Alain Bieber durch die Auswahl an Kunststücken, dem Selfie seine Alltäglichkeit und Seichtigkeit zu nehmen. Es haben sich so moderne Kunst und philosophische Fragen verbunden, die sich rund um das Ich im Zeitalter des Internets drehen.

Ich bin hier!

Alain Bieber betont aber, dass es beim Selfie nicht nur um das Ich geht: "Das Selfie ist ein Ich auf der Suche nach dem Wir." Er beschreibt so unsere Suche – oder sogar Sucht – nach Resonanz und Aufmerksamkeit im Internet. Mit diesem Thema war die Ausstellung genau in der richtigen Stadt: In Düsseldorf werden deutschlandweit die meisten Selfies gemacht, sogar Berlin und München können da nicht mithalten.

Doch nicht nur das NRW-Forum in Düsseldorf erkannte das moderne Selbstbildnis als beachtenswert an. Die Kunsthalle Karlsruhe nahm den Besucher ebenfalls bis Januar 2016 mit auf eine historische Reise durch sechs Jahrhunderte des Selbstbildnisses. Von Rembrandt bis zum iPhone-Pic zeigte die Ausstellung "Ich bin hier!", wie Menschen – ob Künstler oder Laien – sich selbst darstellen.

Außerdem wurden die Einflüsse sichtbar gemacht, die Menschen seit der Renaissance dazu bewegen, sich auf eine bestimmte Weise zu präsentieren. Barock, Romantik und Moderne spielen dabei ebenso eine Rolle wie verschiedene nationale Kulturen, weswegen die Kunsthalle Karlsruhe mit dem Musée des Beaux-Arts in Lyon und den National Galleries of Scotland in Edinburgh zusammengearbeitet hat.

Während Rembrandt, Warhol, Matisse und Beckmann, die es in Karlsruhe alle zu bestaunen gibt, begnadete Maler waren, kann heute auch ein Mensch mit zwei linken Händen ein schönes Selbstportrait einfangen. Das bewies etwa eine Ausstellung in der Kunsthalle Moritzburg in Halle (Saale), die die 31 Gewinner eines Wettbewerbs für innovative Selfies ausstellte. Der MDR Figaro hatte unter dem Motto "Ich poste, also bin ich“ dazu aufgerufen, Selfies einzuschicken. Auch hier verband sich schon durch den Titel das Philosophische mit dem Alltäglichen.

Frida Kahlo hat es getan. Pablo Picasso hat es getan. Max Beckmann hat es getan – siehe Titelbild! Und noch unzählige Künstler mehr – sich selbst zum Objekt ihres Schaffens gemacht. Der Betrachter eines Selbstportraits lernt den Schöpfer des Werkes gleich mit kennen, dem Künstler ermöglicht diese Art Kunstwerk, sein eigenes Ich zu erforschen und darzustellen. Kein Wunder also, dass sich Museen und Galerien dem Thema widmen. Einige Kunst-Kritiker rufen derweil schon: Es reicht! Dabei gibt es mittlerweile eine Reihe von Hashtags in der Kunstszene etabliert: #museumselfie, #artwatchers, #museumofselfies - ihr könnt ja mal schauen, was ihr dazu findet.

#selfidentity - Wie wichtig sind dir Likes? Reich dein Foto oder deinen Link ein und gewinne ein Airwheel. Mit dem elektrischen Einrad kannst du dich fortbewegen wie Justin Bieber und die Beckhams.

© Foto Header: Städel Museum - U. Edelmann - ARTOTHEK.